Nachruf auf Prof. Dr. Henning Schröder

Henning Schröder wurde am 20.03.1945 in Barth geboren.

Nach seinem Abitur 1964 absolvierte er an der FU Berlin und der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg das Studium der Physik, welches er 1969 abschloss. Im Rahmen seiner Doktorarbeit beschäftigte sich Henning mit der "Untersuchung der Niveaustruktur im 5Li mit Hilfe der Drei-Teilchen-Reaktion D + 3He → p + t + p" und promovierte 1973 zum Dr. rer. nat. an der Universität Freiburg.

Nach der Promotion ging er für drei Jahre ans europäische Kernforschungszentrum CERN bei Genf. Seine langjährige Tätigkeit am Deutschen Elektronen Synchrotron DESY begann 1977. Dort baute er zusammen mit Walter Schmidt-Parzefall und etwa 80 weiteren Kollegen das ARGUS Experiment am DORIS-II Speicherring auf, welches sich unter anderem der Erforschung der B-Mesonen widmete. Thematisch bedeutete dies für Henning den Wechsel von der Kern- in die Teilchenphysik. Innerhalb der ARGUS Kollaboration gab er mit einer Vielzahl von Ideen und Ansätzen wichtige Impulse für die Forschungsarbeit.

Das Jahr 1987 markiert den größten Erfolg in Hennings Karriere durch die Entdeckung der Oszillation zwischen B-Mesonen und ihren Antiteilchen ("Observation of B0-anti-B0 Mixing"). Diese Messung gilt bis heute als einer der wichtigsten experimentellen Beiträge zur Hochenergiephysik. Für seinen maßgeblichen Anteil an dieser Arbeit wurde Henning im Jahre 1997 mit dem Panofsky-Preis der Amerikanischen Physikalischen Gesellschaft geehrt. Ab 1990 übernahm er das Amt des Sprechers der ARGUS Kollaboration.

Neben seiner Forschungstätigkeit am DESY führte Henning auch seine universitäre Laufbahn fort. Er habilitierte sich 1988 an der Universität Dortmund zum Dr. rer. nat. habil. und hielt dort anschließend Vorlesungen. Seit 1993 hielt er auch Vorlesungen an der Universität Rostock. In Dortmund wurde er 1996 zum außerplanmäßigen Professor ernannt.

Im Jahre 1999 nahm Henning einen Ruf an den neu geschaffenen Lehrstuhl für Elementarteilchenphysik an der Universität Rostock an. Dies führte ihn in seine alte Heimat Mecklenburg-Vorpommern zurück, wo er bis 2010 lehrte. In der Anfangszeit arbeitete seine Gruppe an den Experimenten HERA-B am DESY und OPERA in Italien mit und beteiligte sich an Detektorstudien für einen zukünftigen Linearbeschleuniger. Seit 2000 ist die Arbeitsgruppe auch am BABAR-Experiment am SLAC in Kalifornien beteiligt. Nach seiner Emeritierung 2010 war er weiterhin am Rostocker Physikinstitut aktiv.

Henning Schröder verstarb am 22.04.2012 im Alter von 67 Jahren im Rostocker Südstadtkrankenhaus an den Folgen eines Schlaganfalls.

Wir, seine Kollegen, Mitarbeiter und Studenten, trauern um einen Menschen, der unser Leben und unsere Arbeit durch seine einfühlsame Art sehr bereichert hat.

Seine Frau Gunhild kann unter gunhild.schroeder(at)hotmail.de erreicht werden.